Über Verantwortung, Schuld und Fehler

Verantwortung fällt oft nicht leicht. Sie kann ganz schön anstrengend sein. Deswegen hat sie bei vielen nicht wirklich ein gutes Image. Umgangsspachlich verwechseln wir Verantwortung gerne mit „Schuld“. Entgegen landläufiger Meinung haben diese beiden Begriffe allerdings nichts miteinander gemein.

„Wenn bei uns etwas schief läuft, beginnt sofort die Suche nach dem Verantwortlichen statt nach der Lösung.“ Gemeint ist eigentlich der Schuldige. Schuld ist die Verletzung eines Verbotes. Wer Geheimnisse verrät, silberne Löffel stiehlt, in eine fremde Kasse greift, Sicherheitsvorschriften missachtet, der macht sich schuldig.

Verantwortung meint hingegen die Bereitschaft, freiwillig für etwas einzustehen. Verantwortungsbewusst ist, wer eine Untat gar nicht erst begeht. Wer zur Verantwortung herangezogen wird, ist nicht automatisch verantwortungsbewusst. Nicht alles, was schief geht, beruht auf schuldhaftem Verhalten. Ohne Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit kann es keine Schuld geben.

Fehler sind menschlich. Sie passieren halt einfach so. Wir kommen nicht an der Tatsache vorbei, dass dort, wo Menschen agieren, Fehler gemacht werden. Fehler sind verzeihlich, solange der, der sie begeht, verantwortlich gehandelt hat. Wo vor der Verantwortung nicht gekniffen wird, wo aus Fehlern gelernt wird, sind sie und das Bekenntnis zu ihnen nützlich.

Der Fehler ist eine Sprache, in der die Situation selbst das Wort ergreift. Wenn es „fehlert“ fordert die Wirklichkeit den aufmerksamen Beobachter dazu auf, noch einmal aus einer anderen Sichtweise über sie nachzudenken. Es gibt also keine blöden Fehler. Fehler sind im Gegenteil sogar intelligent, wenn aus der Situation etwas Intelligentes gemacht wird. Fehler sind nur dann dumm, wenn keiner was damit anfangen kann. Der Fehler an und für sich ist also nicht dumm, nur seine Betrachter können es sein. Denn: nur was schief gehen kann, kann auch gelingen.

Leider werden wir nicht immer aus Fehlern klug. Wo Menschen agieren, kann Fehlervermeidung nie 100%ig sein. Keine technische Optimierung kann das garantieren. Es wird immer auf unseren Umgang uns selbst, unsere Sichtweisen auf Fehler und die uns umgebende Technik ankommen.

Drei Viertel der Verkehrsteilnehmer halten sich für gute Autofahrer. Wir begegnen ständig nur dem anderen Viertel und wissen daher, dass diese Zahl von Selbstüberschätzung und Wunschdenken bestimmt ist. Wie also mit dem alltäglichen Versagen umgehen?

Die Einsicht in die oben beschriebenen Zusammenhänge ist ein großartiger erster Schritt. Heraus aus der scheinwissenden Komfortzone, hinein ins Abenteuer Lernen und Neues ausprobieren. Ängste und Zweifel sind Motivationskiller, Lernen braucht Flexibililät und Motivation. Wir brauchen ein neues Gleichgewicht zwischen den notwendigen Routinen und dem Erproben von Neuem. Und in den industriellen Alltag in Büro und Fabrik gehört endlich die Prämierung intelligenter Fehler (s. o.) statt der Bestrafung vermeintlich Schuldiger.

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