Chef zu werden ist nicht schwer, …

Gibt es etwas, was Führungskräften schwer fällt? Eigentlich nicht, gehört es doch zum guten Ton, eher den Superman abzugeben als zuzugeben, dass mal etwas nicht perfekt läuft. Wenn schon ein Problem als solches benannt werden muss, dann ist es noch am häufigsten eines mit dem Chef, dem Chef-Chef oder den Kollegen auf der gleichen Führungsebene. Klar, dass man diese Informationen nur im vertraulichen und persönlichen Gespräch erhält. Die Führung der Mitarbeiter wird nur sehr selten als „Problem“ benannt. Führung gehört selbstverständlich zu den wichtigen, aber keineswegs zu den schwierigsten Aufgaben des Managers. So jedenfalls sieht das vorherrschende Selbstbild aus.

Was der gestandene Manager in seinem Wissens–Arsenal aus Trainings & Coachings zur Verfügung hat in Sachen Kooperation, Kommunikation, Rhetorik, Überzeugungsfähigkeit, Empathie, Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick wird nicht in erster Linie für die Gestaltung der Mitarbeiterführung eingesetzt. Vielmehr werden diese Fähigkeiten häufiger und stärker benötigt, um das organisatorische Netzwerk, die Beziehungen nach oben und seitwärts zu gestalten. Für die Mitarbeiter bleibt ja im Zweifelsfall noch die Anweisungsbefugnis.

Das Kernproblem scheint mir zu sein, dass Motive und geforderte Fähigkeiten, eine Führungskraft zu werden, andere sind als die, tatsächlich eine gute und überzeugende Führungskraft zu sein. Wir wissen aus zahlreichen Umfragen, dass Leistungsbereitschaft, Ehrgeiz und persönliche Weiterentwicklung zu den wichtigen Triebkräften für angehende Führungskräfte gehören. All diese Motive sind auf die Führungskraft selbst bezogen. Etwas bewegen wollen in enger Zusammenarbeit mit anderen findet erst nachrangig Erwähnung, in einem Atemzug mit Einfluss, Macht, Prestige und materiellen Motiven. Kein Wunder, dass diese Sichtweise der Führungskräfte auf ihre eigenen Motive übereinstimmt mit dem, wie sie von ihren Mitarbeitern gesehen werden: die egoistische Befriedigung eigener Bedürfnisse, die persönliche Vorteilsgewinnung steht vor den gemeinsam zu erreichenden Zielen. Welches sind heute die wichtigsten Managementfähigkeiten? Natürlich gehört als Primärfähigkeit das Organisieren und Steuern von Systemen dazu. Dies ist aber nur notwendige, noch nicht hinreichende Bedingung. Gute und erfolgreiche Führungskräfte heute und in Zukunft werden viel mehr in die Außenwelt gerichtete Fähigkeiten benötigen

  • Menschen zu coachen im Sinne der Teamführung
  • Menschen zu faszinieren im Sinne der Sinnstiftung
  • Vernetzung der Menschen zu fördern im Sinne einer übergreifenden koordinierenden Intelligenz

Die Motivationslage guter Führungskräfte sollte sich statt an Ego- mehr an kollektiven Motiven orientieren. So gewinnen wir neue Sichtweisen auf die Hierarchie (heilige Ordnung): Aufgabe des Managements ist, den Mitarbeitern zu dienen, damit diese den Kunden dienen können. Managen heißt: Service für Mitarbeiter. Unternehmen sind halt nur so gut, wie ihre Mitarbeiter.

So ist es leichter, ein erfolgreicher Chef nicht nur zu werden, sondern auch zu sein.

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