19. Juli 2026
Bretonische Miniaturen – Welterbe auf dem Fussballplatz
Eigentlich wollte ich einen Blog über die Bretagne schreiben.
Das Vorhaben ist gescheitert. Zum Glück. Denn die Bretagne lässt sich nicht in einen einzigen Text packen. Sie besteht nicht aus Sehenswürdigkeiten, sondern aus Begegnungen. Aus Menschen, die ihre Arbeit mögen. Aus kleinen Geschichten, die sich weder planen noch erfinden lassen. Sie passieren einfach.
Ein Ringelpulli, der seinen eigenen Kopf hat. Ein Kassensystem, das von einer Verkäuferin mit Charme und Einfallsreichtum überlistet wird. Ein Kaffeeröster, der seine Bohnen erklärt wie andere einen großen Bordeaux. Ein Maler, dessen Bilder still darauf warten, entdeckt zu werden.Ein Dorf, das auf dem Fußballplatz tanzt, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres auf der Welt.
Mir ist klar geworden: Ich möchte keinen Reisebericht schreiben. Ich möchte kleine Geschichten erzählen. Jede für sich vollständig. Jede mit einem Augenzwinkern. Jede eine Einladung, genauer hinzuschauen.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der Bretagne.Sie drängt sich nicht auf. Sie erzählt. Und wenn man Glück hat, hört man zu.Die erste Miniatur beginnt auf einem Fußballplatz. Kenavo!
19. Juni 2026
Revolutionsphantasien unter Landpomeranzen
Zunächst und von außen sah es nach einem einfachen Konflikt um einen Werkraum aus.
Von innen entpuppte es sich als Lehrstück über die Intelligenz funktionierender Gemeinschaften.
Eine Geschichte über Tüftler, Landpomeranzen, unterschiedliche Rollen – und darüber, warum manche Probleme gelöst werden, bevor die Revolution beginnt.
15. Juni 2026
Kann man nicht machen – Puffer, die emergieren
Wir haben das Rezept. Wir haben zugeschaut. Wir haben es nachgemacht. Die Puffer werden trotzdem nie so wie bei meiner Mutter. Vor Jahren habe ich bereits über die legendären Kartoffelpuffer meiner Mutter und über die Frage „Wissen und Können“ geschrieben. Eine Diskussion über Hartmut Rosas Buch Situation und Konstellation hat diese Erinnerung unerwartet in einem neuen Licht erscheinen lassen. Was haben Kartoffelpuffer mit Sprache, Situationskompetenz, Emergenz und dem Gelingen des Lebens zu tun? Eine kleine Reise von der Küche meiner Mutter zu den großen Fragen menschlicher Erfahrung.
8. Juni 2026
Politik im Mathematik-Kostüm
Im politischen Leben taucht eine Denkfigur immer häufiger auf: die Behauptung, politische Entscheidungen seien mathematische Notwendigkeiten. Am Beispiel von Demografie und Sparpolitik zeige ich, dass Zahlen, Statistiken und Modelle zwar Zusammenhänge beschreiben können, aber keine Antwort auf die Frage liefern, wie wir künftig leben wollen. Gesellschaften entstehen nicht aus Gleichungen, sondern aus Vorstellungen. Ein Plädoyer für mehr politische Vorstellungskraft und weniger Sachzwangsrhetorik.