9. August 2026
Wenn Zukunft einen Namen bekommt …
Aus dem bevorstehendem ersten Geburtstag des Enkelkindes entsteht ein Text über Zukunft, die plötzlich ein Gesicht und einen Namen bekommt. Ausgangspunkt ist keine große These, sondern eine kleine, präsente Szene: heißer Sommertag, pinkfarbenes Planschbecken, Wasser von oben, ein juchzendes Kind – und mehrere Generationen, die sich anstecken lassen.
Der Text lebt vom Spannungsfeld der siamesischen Zwillinge Spaßopa und Verantwortungsopa. Der eine spielt, macht Quatsch, schafft eigene großelterliche Regelräume, liest vor und verteidigt seinen Ehrentitel „Blaubär“ als Geschichtenerzähler. Der andere weiß: Dieses Kind wird viel mehr Zukunft erleben als er – und daraus entstehen Liebe, Verantwortung und auch Wut auf alles, was ihr diese Zukunft beschädigen könnte.
Die Kleine ist nicht die Fortsetzung des Opas mit neuem Gen-Mix. Sie soll widersprechen, sich lösen, ihre eigene Welt bauen. Erwachsene halten, damit Kinder loslassen können. Was der Opa mitgeben kann: Neugier, Skepsis, Freude am Lernen, Verschiedenheit – und die Gewissheit, dass man im Leben auch juchzen darf. Ich bin dabei.
30. Juli 2026
Nicht heimkommen. Aufbrechen!,
Manche sahen einen Abenteuerfilm.
Ich sah einen Menschen, der reifte.
Eine persönliche Filmbeobachtung über Odysseus, Kalypso und den Mut, im letzten Drittel des Lebens noch einmal aufzubrechen.
27. Juli 2026
Bretonische Miniaturen IV – Les Moines Rayés
Manche Urlaube enden nicht mit der Heimreise. Sie hängen noch eine Weile im Kleiderschrank.
Eine augenzwinkernde Geschichte über Ringelpullis, Erinnerungen und einen kleinen Orden, dessen Mitglieder sich wortlos erkennen.
25. Juli 2026
Bretonische Miniaturen III – Das Salzen der Lämmer
An der Somme beobachte ich eine riesige Schafherde, die bei ablaufendem Wasser zum Priel zieht und scheinbar Brackwasser trinkt. Zunächst wirkt das rätselhaft. Die Szene erinnert mich an Bernhard Grzimeks Serengeti-Filme – eigentlich fehlen nur noch die Krokodile. Erst später, beim Blick auf die Speisekarte mit dem allgegenwärtigen Salzwiesenlamm, fügt sich alles zusammen: Schäfer und Schafe kennen den Rhythmus der Gezeiten. Getrunken wird kurz vor Niedrigwasser, wenn der Salzgehalt niedrig genug ist. Die Schafe leben von Queller und den salzigen Pflanzen der Salzwiesen – sie “salzen” sich gewissermaßen selbst. Eine kleine Geschichte über Beobachtung, Kontext und die Weisheit einer Landschaft.