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  1. Ich hoffe SEHR, dass wir entschlossen auf eine Arbeitswelt zusteuern, in der ein Fehlen von sowohl Gewerkschaften als auch Betriebsräten von NIEMANDEM als Verlust erlebt wird. – Denn das würde heißen, dass wir die Gräben zwischen „Management“ einerseits und „Belegschaft“ endgültig und nachhaltig zugeschüttet haben.

    Wohlgemerkt: Kein Argument für „Aktive Betriebsratsbildungsverhinderung“ à la Schlecker (R. not I. P.)!

    Sondern ein Schluss aus der Beobachtung, dass sich Betriebsräte immer dann gründen in neuen Unternehmen, wenn lange, lange versucht wurde, bestimmte Probleme zu addressieren, der Eindruck entstand, dass da nichts ankommt und nichts passiert. Und wenn es dann gar nicht mehr anders geht, DANN wird ein BR gegründet und die Nähe zu den Gewerkschaften gesucht.

    Das zeigt für mich: Weder Gewerkschaften noch Betriebsräte sind etwas „Natürliches“ (genausowenig wie „Personalabteilungen“), sondern sie sind vergängliche „Kinder ihrer Zeit“ – Des industriellen Zeitalters, in denen Mitarbeiter als „Humane Ressourcen“ gesehen wurden und nicht als aktive Mitgestalter und Mitunternehmer. Solange es solche „Ausbeutung von humanen Ressourcen“ gibt, wird es auch BR und Gewerkschaften brauchen und geben. – Keine normative Vorstellung, sondern eine deskriptive Analyse und sachliche Prognose.

    Sollten wir den Shift gemeinsam hinbekommen, bin ich sicher, dass kein Hahn danach krähen wird. Im Idealfall können unsere Kinder und Enkel gar nicht mehr richtig nachvollziehen, was ein BR und eine Gewerkschaft überhaupt war und wozu man sie brauchte. – Das Gleiche gilt für mich allerdings eben auch für die „andere Seite“: Für das „Management“ und „Abteilungen“: http://intrinsify.me/Blog/items/sind-abteilungen-der-feind-moderner-unternehmensfuehrung.html

    Wenn also Mitunternehmer (vormals: Mitarbeiter) die BRs selbst abschaffen (durch mangelndes Interesse und mangelnde Partizipation), DANN ist das für mich eine Art „Lackmustest“ für das Gelungen-Sein der „neuen Arbeitswelt“.

    Interessant finde ich auch, dass in den Niederlanden die Soziokratische Kreisorganisation einen arbeitsrechtlichen (!) äquivalenten Status zur Existenz von Betriebsräten erlangt hat. Dort haben also Unternehmen ab einer gewissen Größe die Wahl, ob sie das eine oder das andere haben wollen.

    Bin jetzt kein RIESENfan der Soziokratie (mir ist das noch zu formalistisch), aber spannend find ich diese rechtlich-politische Entwicklung allemal…

  2. Gute Fragen!

    Ich habe einen Teil Deines Texts auch auf dem Blog der Initiative Wirtschaftsdemokratie mit Referenz hier her veröffenticht. Ist das so Ok für Dich?

    Viele Grüße
    Martin

    p.s.: Seit unserem Treffen ist Deine Vorhersage zum BVB gut eingetroffen. Wünsche Ihnen, dass es so bleibt, auch wenn das bedeutet, dass ein anderer Verein in diesem Konkurrieren den Abgang machen muss und viele andere Fans traurig sein werden …

  3. Spannende Frage – bereits in einem anderen Kontext (siehe hier: http://blog.bernd-slaghuis.de/augenhoehe-film/) ist diese Frage hochgekommen.

    Aus meiner eigenen Erfahrung habe ich Gewerkschaften & Betriebsräte immer als eine Frontlinie der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber wahrgenommen.
    Zusätzlich sind dort eigene Interessen, Machgelüste etc. in’s Spiel gekommen, so dass ich von einigen Beispielen weiss, bei denen der Arbeitnehmer zum Pokereinsatz wurde.

    Wenn es also nun keine ‚Frontlinie‘ gibt, d.h. der Arbeitgeber geht ebenso auf seine Angestellten mit ein – wofür würden dann noch die AN-Vertreter gebraucht?

    Im Übrigen gab es hier schon andere Beispiele dazu. SAP hatte bis 2006 keinen offiziellen BR bis einige Mitarbeiter (gegen den Widerstand der restlichen Belegschaft) diesen eingeklagt haben. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/netzwirtschaft/sap-mitarbeiter-setzen-sap-betriebsrat-gerichtlich-durch-1306599.html

    Es geht also bereits jetzt auch ohne.

    Insofern wage ich die Behauptung: Wenn der Arbeitgeber den Mensch (mehr) in den Mittelpunkt rückt, die Belegschaft wiederum ein anderes Wir-Gefühl aufbaut braucht es Arbeitnehmervertretung in der klassischen Variante nicht.

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